Der Luchs

Systematik
Klasse – Säugetiere (Mammalia)
Ordnung – Raubtiere (Carnivora)
Familie – Katzen (Felidae)
Gattung – Luchs (Lynx)
Art – Eurasischer Luchs (Lynx lynx)

Größe
Schulterhöhe: 50-70 cm
Kopf-Rumpf-Länge: 80-120 cm
Schwanzlänge: 12-25 cm – charakteristisches schwarzes Ende

Gewicht
Weibchen: 17-24 kg; Männchen:18-32 kg

Körpermerkmale
hochbeinig, etwa Schäferhund-groß, 4 cm lange Haarbüschel (Pinsel) an den Ohren, ausgeprägter Backenbart, Stummelschwanz mit schwarzem Ende, große Pfoten mit dichtem Haarpolster

Fellfärbung
variiert von rötlich-braun mit dunklen Flecken bis grau-beige mit weniger deutlichen Flecken, Kinn- und Bauchfell sind cremeweiß

Höchstalter
bis etwa 15 Jahre im Freiland, bis zu 25 Jahre in Gefangenschaft

Raum-Zeit-Verhalten
Einzelgänger mit festen Territorien, in denen fortpflanzungsfähige Luchse desselben Geschlechts nicht toleriert werden (intrasexuelle Territorialität),
Reviergrößen der Männchen: 150-400 km²
Reviergrößen der Weibchen: 50-200 km²

Reproduktion
Geschlechtsreife: Luchsin mit etwa 21 Monaten, Kuder mit etwa 33 Monaten; die Paarungszeit erstreckt sich von Februar bis April, bei einer Tragzeit von 68 bis 72 Tagen werden Ende Mai/Anfang Juni meist zwei (1-5) Jungtiere geboren; die Jungtiere werden ca. 3 Monate gesäugt und können der Mutter mit etwa 8 Wochen zum gerissenen Beutetier folgen; der Kuder beteiligt sich nicht an der Jungenaufzucht;

Abwanderung der Jungtiere: mit 10-11 Monaten werden die Jungtiere aus dem Revier der Mutter vertrieben – Suche nach eigenem Revier; nur jedes zweite Jungtier überlebt den ersten Winter

Lebensraum
In Europa Besiedlung aller Waldtypen von mediterranen Hartlaubwäldern bis zu borealen Nadelwäldern in Gebirge und Tiefland, wobei alte hohe Laub- und Mischwälder mit dichtem Unterholz bevorzugt werden

Nahrung
Der Luchs ist ein reiner Fleischfresser, seine Hauptbeute sind kleine Paarhufer wie Reh und Gemse (ein Luchs benötigt etwa ein Tier dieser Größe pro Woche); aber auch Rotwildkälber, Steinbock, Mufflon, Feldhase, junge Wildschweine, Fuchs, Dachs, Marder, Eichhörnchen, sonstige Kleintiere und Vögel gehören zu seinem Beutespektrum

Jagdverhalten
Aktivität vor allem während Abend- und Morgendämmerung, die Jagd erfolgt meist am Abend; Anschleich- und Überraschungsjäger; die kräftigen langen Hinterbeine ermöglichen ein enormes Sprungvermögen, auf kurzen Sprints kann der Luchs bis zu 70 Stundenkilometer erreichen, er ist jedoch kein langer Hetzjäger; die Tötung der Beute erfolgt durch gezielten Biss in Kehle oder Nacken

natürliche Todesursachen
Alterstod, Verhungern, Erfrieren, Verletzungen, Krankheiten (vor allem Räude, Tollwut), natürliche Feinde wie z. B. Wolf, Vielfrass, Braunbär (v. a. für Jungtiere)

Der Luchs unterliegt verschiedenen internationalen und nationalen Schutzkategorien:

  • (Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES). Anhang II;
  • Übereinkommen zum Schutz der europäischen Wildtiere und natürlichen Lebensräume (Berner Konvention): Anhang III;
  • FFH-Richtlinie (92/43/EWG): Anhänge II und IV;
  • Bundesnaturschutzgesetz und Bundesartenschutzverordnung: Luchs ist „besonders geschützte Art“;
  • Rote Liste der gefährdeten Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands (2009): Kategorie 2 – „stark gefährdet“)

 Außerdem ist der Luchs im Bundesjagdgesetz als jagdbare Art mit ganzjähriger Schonzeit aufgeführt, die Tötung eines Luchses ist also ein Straftatbestand!

  anthropogen bedingte Gefährdungsursachen:

  1. direkter Lebensraumverlust durch Entwaldung, Ausbreitung landwirtschaftl. genutzter Flächen, sowie des Siedlungsraumes
  2. Lebensraumfragmentierung – Zerschneidung großräumiger Waldlandschaften und damit Isolierung einzelner Populationen
  3. Tod durch Straßen- und Schienenverkehr,
  4. illegale Tötung,
  5. Umweltverschmutzung
  6. z. T. Nahrungsknappheit durch Überbejagung der Beutepopulationen

Man nimmt derzeit an, dass eine langfristig überlebensfähige Luchspopulation aus mehreren hundert Tieren bestehen muss. Deshalb ist die Vernetzung der kleinen Teilpopulationen so wichtig!

Schutzziele:

Ziel ist also ein länderübergreifender Lebensraumverbund, sowie die Erhaltung und Entwicklung großräumiger, reich strukturierter Waldgebiete.

  1. Vernetzung geeigneter Luchslebensräume (z. B. durch Neuaufforstungen)
  2. Minderung bereits vorhandener Ausbreitungsbarrieren (z. B. durch Grünbrücken)

Die Vision von Lynx-CELTIC ist die Vernetzung zwischen den autochtonen (alteingesessenen) Luchspopulation der slowakischen Karpaten und der Population im Bayerisch-Böhmischen Grenzgebiet. Diese verläuft im Norden über Erzgebirge und Sächsische Schweiz.

Beobachtungen

  • auffällige Ohrpinsel (ca. 4 cm lang)
  • ausgeprägter Backenbart
  • kurzer Schwanz (20-25 cm) mit schwarzer Spitze
  • etwa Schäferhundgroß, wirkt aber hochbeiniger
  • rötlich braune bis graue Färbung mit unterschiedlich stark ausgeprägter Fleckung

Spuren

  • rundliche Trittsiegel mit 5-9 cm Durchmesser (Vorderpfoten etwas größer als Hinterpfoten)
  • die beiden vorderen Ballen der Hinterpfoten sind (im Gegensatz zu Wolf oder Hund) häufig leicht zueinander versetzt
  • die Schrittlänge (Abstand zwischen jedem zweiten Pfotenabdruck) variiert je nach Gangart von 0,8 m im Schritt über 1-1,4 m im Trab bis zu 7 m bei weiten Sprüngen.
  • vier Zehen mit einziehbaren Krallen, diese sind daher beim Abdruck meist nicht zu sehen, nur im steilen Gelände sind manchmal feine, scharfe Krallenmarken sichtbar
  • es besteht dennoch die Gefahr der Verwechslung, vor allem mit Hunden ähnlicher Größe
  • Luchse laufen gern auf liegenden oder schrägen Baumstämmen, Felssimsen oder Steinmauern, typisch sind auch weite Sprünge vor allem vertikal

Losung

  • wird häufig in der Nähe von Rissen oder entlang von Wegen und Wechseln abgesetzt
  • der Kot besteht aus mehreren Einzelstücken, ist meist dunkel und riecht nach Raubkatze
  • meist bis 2,5 cm dick und 3-12 cm lang, walzenförmig mit rundem oder spitzem Ende
  • definitive Artzuordnung kann nur durch DNA-Analyse erfolgen
  • bei weichem Boden, Laub oder Schnee werden die Exkremente verscharrt
  • auffällige Objekte wie z.B. Wurzelteller werden gezielt mit Urin markiert, dabei drehen beide Geschlechter ihr Hinterteil zum Objekt hin

Rissmerkmale

  • der Luchs ist ein Ansitz- und Überraschungsjäger, die Beute wird durch einen gezielten Biss in die Drossel oder seltener in den Nacken getötet
  • an diesen Stellen sind meist wenige tiefe, mittelgroße, nicht ausgefranste Löcher sichtbar
  • die Distanz der Eckzähne beträgt 30-34 mm
  • beim Abschärfen der Decke treten nur im Bereich der Drossel Unterhautblutungen auf
  • meist weist das Beutetier am restlichen Körper keine weiteren Bissverletzungen oder größere Unterhautblutungen auf 
  • Krallenspuren, falls vorhanden, sind tief und gehen bis ins Fleisch
  • ein guter Hinweis auf einen Luchsriss ist das Verblenden mit Laub, Gras, Schnee, Moos oder Ästen 
  • wenn er nicht gestört wird kehrt der Luchs immer wieder zu seinem Riss zurück, häufig werden zuerst die Keulen seltener die Schultern angeschnitten
  • ein ausgewachsenes Reh wird innerhalb von vier bis sechs Tagen gefressen, wobei der Luchs vor allem in der Dämmerung und nachts zum Fressen kommt
  • der Bauchraum bleibt zu Beginn noch geschlossen, im Gegensatz zu hundeartigen Beutegreifern öffnet der Luchs den Bauchraum nicht sofort
  • bei vollständiger Nutzung ist bis auf große Knochen, Haupt, Decke und Verdauungstrakt alles aufgefressen, das Skelett bleibt zusammenhängend erhalten, die Decke wird im Verlauf der Nutzung umgestülpt

Lautäußerungen

  • Luchse sind sehr selten zu hören, meist rufen sie nachts, mindestens 10 verschiedene Lautäußerungen sind bekannt: Murren, Maunzen, Fauchen als Drohlaut, Schnauben, Knurren, Brüllen, Schnurren, Bellen
  • diese Laute haben bestimmte Funktionen der Verständigung z.B. Stimmfühlung, sozialer Kontakt, innerartliche Aggression, Fütterung, Fortpflanzung
  • besonders während der Ranzzeit in den Monaten Februar bis April kann man die kehlig-heiseren Rufe hören. Es ertönen meist mehrere, oft wiederholte Sequenzen von drei bis vier Einzelrufen.
  • Beispiele für typische Lautäußerungen finden Sie auch auf der Homepage des Luchsprojektes im Bayrischen Wald.

Europa:

Verbreitung des Luchses in Sachsen ©2016 by LCIE (Large Carnivore Initiative for Europe)

Ursprünglich war der Luchs in fast ganz Europa verbreitet, bis Anfang des 20. Jahrhunderts erlitt er allerdings große Arealverluste. So konnten lediglich in den italienischen Alpen, in den Karpaten, im Balkangebiet, sowie in Nordeuropa isolierte, häufig stark dezimierte Populationen überleben.

Nach der teilweise Unterschutzstellung in den 1950er Jahren erholten sich die Bestände langsam. Vor allem in West- und Mitteleuropa kam es seit 1970 zu zahlreichen Wiederansiedlungen, dennoch ist seine Verbreitung bis heute lückenhaft und besteht aus kleinen, isolierten Populationen.

Verbreitung des Luchses in Deutschland; Quelle: Bundesamt für Naturschutz (BfN)

Deutschland:

Das bedeutendste deutsche Luchsvorkommen ist in Ostbayern (grenzübergreifend zu Tschechien) zu finden. Dessen Ursprung ist die Wiederansiedlung im Bayerischen Wald und im Šumava-Nationalpark in den 1970er und 1980er Jahren.
Im Harz wurden zwischen 2000 und 2006 insgesamt 24 Gehegeluchse ausgewildert. Durch eine positive Entwicklung bzw. den Ausbreitungstrend dieser Population gibt es inzwischen auch gesicherte Luchsvorkommen in Hessen und Nordrhein-Westfalen.
Aus den Nordvogesen und der Schweiz wandern immer wieder Einzeltiere in den Pfälzerwald und in den Schwarzwald ein. Zudem soll ein Auswilderungsprojekt die Etablierung einer überlebensfähigen Population im Biosphärenreservat Pfälzerwald/Nordvogesen ermöglichen.

Sachsen:

Verbreitung des Luchses in Sachsen; Quelle: Artdatenbank Sachsen, Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG)

Einzelne Nach- und Hinweise gibt es in Sachsen seit den 1960er Jahren. Der Nachweisschwerpunkt in den 1990er Jahren lag in der Sächsische Schweiz und im Oberen Osterzgebirge, wobei die Einwanderung vermutlich aus Tschechien erfolgte (siehe Karte).

Die gesicherten Luchs-Nachweise der letzten Monitoringjahre liegen allerdings im Ost- bzw. Westerzgebirge (siehe Karte). Bei Johanngeorgenstadt im westlichen Erzgebirge hat sich seit 2013 ein einzelnes männliches Tier etabliert, das vermutlich ein grenzübergreifendes Territorium beläuft.

Allgemeine Literatur

  • Breitenmoser, U. & Breitenmoser Würsten, C. (2008): „Der Luchs. Ein Grossraubtier in der Kulturlandschaft“. ISBN: 978-3-7262-1414-2
  • Dudek, M. (2009): „Neue Wildnis Deutschland: Wolf, Luchs und Biber kehren zurück“. ISBN: 978-3-7995-0824-7
  • Heup, J. (2007): „Bär, Luchs und Wolf – Die stille Rückkehr der wilden Tiere“, Kosmos-Verlag ISBN 978-3440110034
  • Heurich, M. & Sinner, K. F. (2012): „Der Luchs. Die Rückkehr der Pinselohren“. Amberg: Buch- & Kunstverlag Oberpfalz. ISBN: 978-3-935719-66-7
  • Hofrichter, R. (2005): „Die Rückkehr der Wildtiere: Wolf, Geier, Elch & Co“. Graz: Stocker-Verlag, ISBN-13: 978-3702010591
  • Hofrichter, R. & Berger, E. (2004): „Der Luchs – Rückkehr auf leisen Pfoten“, Leopold Stocker Verlag ISBN: 3-7020-1041-6
  • Kaczensky, P.; Huber, T.; Huber, D.; Frkovic, A. & Fico, R. (2008): „Wer war es? Spuren und Risse von großen Beutegreifern erkennen und dokumentieren“. Bayerischer Landesjagdverband (Hrsg.)
  • Kalb, R. (2007): „Bär, Luchs, Wolf – Verfolgt, Ausgerottet, Zurückgekehrt“. Leopold Stocker Verlag, ISBN: 978-3-7020-1146-8
  • Molinari, P.; Breitenmoser, U.; Molinari-Jobin, A. & Giacometti, M. (2000): „Raubtiere am Werk“. ISBN: 88-900527-1-6
  • Ophoven, E. (2012): „Deutschlands wilde Tiere. Wo Adler, Luchs und Biber leben“. Kosmos-Verlag, 2. Aufl., ISBN: 978-3440134627
  • Ott, W. (2004): „Die besiegte Wildnis. Wie Bär, Wolf, Luchs und Steinadler aus unserer Heimat verschwanden“. DRW-Verlag. ISBN 978-3871810114
  • Reinhardt, I. et al. (2015): „Monitoring von Wolf, Luchs und Bär in Deutschland“. BfN-Skripten 413
  • Wölfl, M. (2001): „Luchswege – eine Geschichte aus dem Bayerischen Wald“, (ISBN: 3-931904-84-9)
  • „Luchse – Jäger auf leisen Pfoten“. Melsungen: Neumann-Neudamm-Verlag 2013. ISBN: 978-3-7888-1449-6
  • verschiedene KORA-Berichte (http://www.kora.ch/)

Sachsenspezifische Literatur:

  • Hocker, K.; Zschille, J. & Roth, M. (2012): Erfassung aller Gehegehaltungen von Eurasischen Luchsen im Freistaat Sachsen. In: Mitteilungen für sächsische Säugetierfreunde 2012, S. 13-20.
  • Thomae, M.; Zschille, J. & Roth, M. (2012): Fotofallen- und Lockstockmonitoring im Rahmen der Luchserfassung in Sachsen – Relevanz der Methode für den Nachweis anderer Arten. In: Mitteilungen für sächsische Säugetierfreunde 2012, S. 5-12.
  • Zschille, J. (2009): Dem Luchs (Lynx lynx) auf der Spur – Die Erfassung von Hinweisen auf die große Raubkatze in Sachsen. In: Artenschutzreport 24: 47-49.
  • Zschille, (2011): Der Eurasische Luchs (Lynx lynx L., 1758) – Wildtier des Jahres 2011. In: Mitteilungen für sächsische Säugetierfreunde 2011, S. 1-5.
  • Zschille, J. (2015): Wo verstecken sich die Pinselohren? – Aktueller Stand zum Luchs-Monitoring in Sachsen. In: Mitteilungen für sächsische Säugetierfreunde 2015, S. 54-59.
  • Zschille, J.; Stier, N. & M. Roth (2016): Organisation und Koordinierung eines Beobachternetzes für die gefährdeten Tierarten Luchs und Wildkatze sowie Dokumentation der Präsenznachweise in den Jahren 2015/2016.  – Projektbericht Juni 2016
  • Zschille, J.; Stier, N., Tröger, F., Kruk, M. & M. Roth (2018): Organisation und Koordinierung eines Beobachternetzes für die gefährdeten Tierarten Luchs und Wildkatze sowie Dokumentation der Präsenznachweise in den Jahren 2016/2017 und 2017/2018. – Projektbericht Juni 2018

Kontakt

Hier erreichen Sie uns

Dr. Jana Zschille
Technische Universität Dresden
Institut für Forstbotanik und Forstzoologie
Professur für Forstzoologie
Pienner Straße 7 (Cotta-Bau)
D-01737 Tharandt

Telefon: 0351-463-31351
Telefax: 0351-463-31317
E-Mail: jana.zschille@tu-dresden.de
Internet: www.tu-dresden.de/forst/zoologie

Oder schreiben Sie uns eine Nachricht